re:publica 2014 | into the boring

Nein, so wird das nichts liebe digitale Netzgemeinde. Nach dem ich nun vor drei Jahren auf der re:publica war, sollte ich dieses Jahr zum zweite mal an dem digitalen Event in Deutschland teilnehmen.

Die Zeichen standen gut, schließlich befinden wir uns in der Zeit „Edward Snowdens“ und somit in einer besorgniserregenden, aber eben auch spannenden Zeit. Wo könnte man diese Themen besser verkaufen wie auf der re:publica? Und schließlich sollte ja noch David „The Hoff“ Hasselhoff kommen und über Freedom sprechen.

Doch Hasselhoff kam nicht wegen der Freiheit, sondern wahrscheinlich wegen der Gage die die finnische Sicherheitsfirma F-Secure ihm zahlte um auf der re:publica aufzutreten. Und so wurde das ganze nichts anderes als eine PR-Veranstaltung für genannte Firma. Um den ganzen einen netten Rahmen zu geben wurde ein „Manifest der digitalen Freiheit“ gestartet, ein Crowd-Sourcing-Projekt als Wiki-Dokument, in dem jeder all das hineinschreiben kann, was ihm wichtig ist zum Thema Freiheit im Netz. Am Ende soll das dann an Frau Merkel und weitere politische Würdenträger verschickt werden wo es aller Wahrscheinlichkeit nach in /dev/null landet.

Es wurde viel gejammert. Auch von Sascha Lobo der sich beklagte das ein Vogel mit dem Namen Bekassine den deutschen mehr Wert sei als das Internet im gesamten. In einem anderen Vortrag durfte ich erfahren, wie schlecht doch Werbung sei und das doch die Zeit der wackelnden Banner wirklich vorbei sei. Anschließend durfte ich erfahren das mit „Bullshit“ viel Geld zu verdienen sei anhand von Beispielen wie Buzzfeed und … ja

Auch am zweiten Tag erfuhr ich bisher spannende Dinge. Wie z.b. das Frauen doch auch Pornos schauen und das Richard Gutjahr die Paywall entdeckt und ein eigenes Flattr System entwickelt hat, was sich sogar auf den ersten Blick recht spannend darstellt.

Doch alles in allem Frage ich mich, ob es das war? Da wird sich über totale Überwachung beschwert und wenn ich mich auf der re:publica umschaue sehe ich lauter Menschen die vor allem eines machen. Überwachungsprodukte nutzen. Twitter, Facebook und Google bieten den Leuten erst die Bühne um überhaupt „Präsenz“ zu zeigen. Was immer das auch heissen mag, denn ich möchte ich die steile These aufstellen das den allermeisten deutschen die Themen der Netzgemeinde scheiß egal sind.

Dafür gibt es sogar einen stichhaltigen Beweis, nämlich den das am 27.September 2013 ausgerechnet die Partei, fast die absolute Mehrheit gewonnen hat – der die Netzthemen wirklich am Arsch vorbei gehen, nämlich die CDU. Und ich habe das starke Gefühl des es der gefühlten gesellschaftliche Avantgarde auf der re:publica voll kommen egal ist. „Das sind Idioten, wieso klicken die auf Titten und nicht auf meinen aufwendig hergestellten Journalismus?“.

Und die Kernthese ist schlichtweg: WEIL ES IHNEN EGAL IST. Grillen, Fußball und Titten REICHEN VOLLKOMMEN AUS um einen Großteil dieser Gesellschaft zu unterhalten. Brot und Spiele, Teile und Herrsche. Die eigentliche Frage die man sich stellen müsste, die sich auch Sascha Lobo stellen müsste – ist die – WARUM ist das so? WARUM interessiert sich die Menschen nicht für die NSA-Affäre oder wie auch man das nun korrekt bezeichnen mag?

Vielleicht weil die meisten Menschen genug damit zu tun haben ihren Alltag zu organisieren und sich eben in Ihrer knappen Freizeit nicht auch noch mit solch schwierigen Themen herum plagen müssen. Doch statt das IHR vor raus geht – aus dem Land der Dichter und Denker – benutzt ihr ALLE ausnahmslos Produkte aus den USA. Es scheint als wäre Silicon Valley der Einzige Ort auf dieser Erde – wo es möglich ist bahnbrechende Zukunftsorientiere Produkte für das Netz herzustellen.

Denn egal ob es die Website ist, die Suchmaschine, das Soziale Netzwerk, der Computer oder Euer Betriebssystem – nichts davon kommt aus Deutschland. Passend dazu die Meldung dieser Tage das Werkenntwen Dicht macht. Und am Ende des Tages FREUT Ihr Euch darüber noch – denn auf WKW hat man ja maximal ein paar Spinner getroffen und/oder die eigene Oma und nicht die digitale Elite.

Und das Gutjahrs Paywall das Beste war was ich bisher auf der diesjährigen re:publica gehört habe – stimmt mich nachdenklich und traurig. Es scheint weiterhin so das Deutschland nicht fähig ist ein Land zu werden das digital vor raus denkt. Aber euer größtes Problem ist es ja weiterhin wie man den guten Journalismus monetisiert? Ich kann es euch sagen – gar nicht.

Gutjahr hat also mit einem wirklich hervorragenden Artikel, wo er extra in die USA gereist ist und sich hat verhaften lassen also sage und schreibe 77euro verdient. Hey Richard, ich zeige dir einen Weg wie du mit ein wenig Facebook Spam am Tag das Zehnfache verdienst. Allerdings musst Du Dich da mit Leuten abgeben die Du sonst nicht auf Deinem Blog triffst. Dem allgemeinen Pöbel.

Ihr redet und redet und trefft dabei immer nur Euch selbst. Wirkliche Relevanz erreicht keiner von Euch, ich habe noch niemanden von Euch in der BILD-Zeitung gesehen, Tim Bartel war ja zumindest mal Titelcover vom Express 😉 … Nein, ich bin kein BILD-Fan. Aber die BILD-Zeitung hat die größte Reichweite. Axel Springer ist der größte Medienkonzern in Deutschand. Doch es findet kein Bündnis statt.

Und wenn ihr wissen wollt was WIRKLICHE Relevanz bedeutet dann schaut Euch an was los ist wenn ein Bundesliga Spieltag ist, in den Zeitungen, in den Online-Medien und im Fernsehen. Und dann vergleicht das mit Eurem Willen die Freiheit im Internet zu verteidigen. Und beantwortet was wichtiger ist – Götze der von Dortmund nach Bayern wechselt, der Brennpunkt über Ballacks Wade oder die flächendeckende Überwachung der Welt?

Entweder Ihr wollt großartigen Journalismus machen – dann sollte Euch Geld egal sein – oder Ihr wollt mit dem Internet Geld verdienen. Es mag durchaus Seiten geben die beides können – aber das sind dann am Ende doch die Ausnahmen. Und es hilft Euch auch nichts wenn Ihr über Werbeformen jammert die Euch nicht gefallen. Es hat seine Gründe warum Popunders, Inlayer-Werbung usw. immer noch gezeigt wird obwohl es JEDEN nervt – weil Seitenbetreiber Geld benötigen.

Es wird Zeit das die sogenannte digitale Elite in Deutschland von Ihrem hohen Ross runter kommt und aufhört darüber zu jammern wie schlimm alles ist. Wenn ihr wollt das Dinge wie Edward Snowden nicht mehr passieren dann müsst Ihr mit Euch selbst anfangen. Wenn nicht IHR wer denn dann? Es bringt nichts von Apple auf Microsoft umzusteigen oder von Google auf Bing. Ich sehe und sah fast keine Laptops mit Linux. Warum? Weil sie euch zu kompliziert sind, weil sie nicht so schön sind wie die Dinger von Apple? Mag sein, aber wer einen digitalen Umschwung möchte – muss anfangen über Alternativen nachzudenken und das ist alles nicht immer unbedingt bequem.

Es wäre zum Beispiel mal interessant zu sehen wie sich ein deutsches Startup aufmacht einen europäischen Computer zu bauen. Vllt. gibt es diese Firma ja sogar, aber ich habe Sie auf der re:publica nicht gesehen. Auch nicht auf der Cebit oder den anderen Messen wo ich mich ab und zu rum treibe.

Und lieber Sascha Lobo, hör auf um den heißen Brei zu reden. Noch vor 5 Jahren hätte man Dich für verrückt erklärt wenn Du uns erzählt hättest die USA überwacht alles und jeden. Doch es ist so – und in jedem Artikel den man zu diesem Thema lesen kann findet man ein Datum und ein Gesetz auf das man Bezug nehmen kann. Richtig. Ich schreibe es jetzt nicht – weil am Ende man ja eh wieder nur der Verschwörungstheoretiker ist. Deswegen sollte es jemand machen von dem man zu 100% weiß das er rational und vernünftig denkt (zumindest auf den Vorträgen). Also traue Dich und gehe es an. Wenn nicht wir Nerds – wer sonst soll diese Welt verändern? Noch haben wir die Chance, noch können wir über solche Themen reden ohne in einen Filter zu geraten. Die Gedankenpolizei ist noch ein Roman, eine Geschichte – lassen wir nicht zu das es Realität wird. Doch dazu gehört eben Gedanken-Verbote aufzuheben, dazu gehört alles zu hinterfragen. Und nach all den Jahren endlich offen darüber zu sprechen. Geschichte wird gemacht – Kinder von damals sind heute bereits 13 Jahre Alt. Irgendwann ist es zu spät und Snowden verhaftet.

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